Elite-Unis in Deutschland: Studieren erster Klasse?

„Elite-Uni“, das Wort hat erstmal einen negativen Beigeschmack. „Elite“ bedeutet immer auch „nicht für alle“. Es erinnert an die berühmten amerikanischen Universitäten wie Yale oder Harvard, an Schuluniformen und vor allem: horrende Studiengebühren und verschuldete Absolventen.

Was aber macht in Deutschland eine Elite-Uni aus? Gibt es hier wirklich bessere Bildung und Forschung als an anderen Hochschulen und kann man sich das als Student ohne reiche Eltern überhaupt leisten? Betrachte Deutschlands Elite-Unis etwas näher. Das Ergebnis: Tatsächlich ist eine deutsche Elite-Uni gar nicht so elitär.

Was macht eine Uni zur Elite-Uni?

Leider kommt hier bereits die erste Enttäuschung. In Deutschland wird eine Hochschule nicht zur Elite-Uni, weil sie ihre Studenten am besten ausbildet, die größte Bibliothek hat oder eine Kantine mit Superfood. Nein, die Auszeichnung bezieht sich in erster Linie auf die Forschungsleistung einer Universität.

2005/06 riefen Bund und Länder der Bundesrepublik Deutschland eine sogenannte Exzellenzinitiative aus. Die Exzellenzinitiative hat das Ziel, Deutschland international als Wissenschaftsstandort zu etablieren und wettbewerbsfähig zu halten. Universitäten mit Spitzenforschung erhalten über die Auszeichnung als Elite-Universität finanzielle Fördermittel, um dieser Aufgabe nachzukommen.

Im Rahmen der Exzellenzinitiative fließen Fördermittel in:

  • Graduiertenschulen, zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.
  • Exzellenzcluster, zur Förderung der universitären Spitzenforschung.
  • Zukunftskonzepte, die den Ausbau der universitären Forschung vorantreiben.

Natürlich profitieren die Studenten von gut ausgebildetem Lehrpersonal und einem aktuellen Forschungsstand an ihrer Hochschule. Über die Qualität der Lehre sagt die Auszeichnung aber nicht direkt etwas aus. 2017 läuft die Exzellenzinitiative aus, sie wird aber ab 2017/18 unter dem Namen „Exzellenzstrategie“ fortgesetzt.

elite-uni

Welche deutschen Universitäten gehören zur Elite?

Seit 2005/06 haben es elf deutsche Universitäten geschafft, als Elite-Uni anerkannt zu werden:

  • Universität zu Köln
  • Technische Universität Dresden
  • Universität Dresden
  • Universität Bremen
  • Eberhard-Karls-Universität Tübingen
  • Technische Universität München
  • Ludwig-Maximilians-Universität München
  • Humboldt-Universität Berlin
  • Freie Universität Berlin
  • Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
  • Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
  • Universität Konstanz

Vergleicht man diese Auflistung mit einem internationalen Ranking des Center for World University Rankings (CWUR), das regelmäßig die Qualität der Lehre und Forschung sowie das Ansehen von Universitäten weltweit untersucht, findet man tatsächlich die eine oder andere deutsche Elite-Uni wieder. Die erste deutsche Hochschule in diesem internationalen Vergleich ist die Ludwig-Maximilians-Universität in München auf Platz 76 von 1.000 auf der Weltrangliste. Platz zwei und drei belegen die Universität Heidelberg und die Technische Universität München.

Ob sich hier die Exzellenzinitiative bereits ausgezahlt hat, oder die richtigen Universitäten die Auszeichnung als Elite-Uni erhalten haben, lässt sich kaum beurteilen. Bei diesen Universitäten scheint zumindest beides zu stimmen: Spitzenforschung und Spitzenlehre.

Was kostet das Studium an einer Elite-Uni?

Hier die gute Nachricht: Das Studium an einer deutschen Elite-Uni kostet nicht mehr als an jeder anderen Hochschule. Die Höhe der Studiengebühren legen in Deutschland die einzelnen Bundesländer fest, nicht die Universitäten. Aktuell werden in Deutschland an staatlichen Hochschulen für ein Erststudium keine Studiengebühren erhoben. Studenten müssen lediglich einen sogenannten Semesterbeitrag leisten. Dieser liegt je nach Universität zwischen 150 und 250 Euro und beinhaltet meistens eine Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr.

Die schlechte Nachricht: Die Lebenserhaltungskosten, die den größten Teil der Kosten für ein Studium ausmachen, unterscheiden sich deutschlandweit sehr stark. München, mit zwei der weltweit renommiertesten Elite-Unis, gehört zu den teuersten Pflastern Deutschlands. Hier eine günstige Studentenbude zu bekommen, grenzt an ein Wunder.

An anderen Elite-Uni-Standorten sieht es etwas besser aus.

Berlin wird zwar von Jahr zu Jahr teurer, bietet aber noch immer ein paar günstige Ecken zum Wohnen und vergleichsweise günstige Preise für Lebensmittel und Freizeitaktivitäten. Noch preiswerter dürfte ein Studium an den Elite-Unis in Dresden sein. Hier gibt es noch WG-Zimmer für 200 Euro!

Private Hochschulen: Lernt hier die Elite?

Private Elite-Unis gelten gerne als Sprungbrett in Deutschlands Chefetagen. Zugegeben, Namen wie „Bucerius Law School“ oder „German International Graduate School of Management and Administration (GISMA)“ wirken imposanter als „Eberhard-Karls-Universität Tübingen“ oder „Humboldt-Universität Berlin“. Bei genauerem Hinsehen sind es aber leider oft die Studiengebühren, die bei einer privaten Hochschule das Elitäre ausmachen. Rund 520 Euro kostet ein Bachelor-Studium pro Monat durchschnittlich an einer privaten Hochschule in Deutschland.

Es gibt allerdings private Elite-Unis, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, wirklich die „Creme de la Creme“ der deutschen Abiturienten auszubilden. Hier macht das Wort Elite-Uni wieder Sinn. So zählt zum Beispiel die Otto Beisheim School of Management (WHU) zu Europas angesehensten Universitäten im Bereich Betriebswirtschaftslehre. Wer hier studieren möchte, hat ein hartes Auswahlverfahren vor sich:

In einer Vorauswahl werden die ersten 450 Bewerber ausgewählt.

Wer sich hier durchsetzen kann, hat nicht nur eine gute Abiturnote und sehr gute Englischkenntnisse nachgewiesen, sondern auch ein Interview absolviert, in dem die Persönlichkeit des Bewerbers genau unter die Lupe genommen wurde. Motivation, soziale Kompetenz, Kreativität, Zielstrebigkeit und Belastbarkeit sowie interkulturelle Erfahrung sind hier gefragte Eigenschaften. In der folgenden Endauswahl müssen Bewerber drei Tage lang in Einzelgesprächen, Diskussionen und Vorträgen sowie konkreten Aufgaben ihr Können beweisen. Wer am Schluss übrig bleibt, darf sich getrost erstmal als Elite verstehen.

Lieber Elite oder Standard?

Wie soll die Entscheidung jetzt ausfallen: Lohnt es sich, nach München, Tübingen oder Heidelberg zu ziehen, um an einer der führenden Top-Universitäten zu studieren? Sollte man gar einen Studienkredit aufnehmen, um an einer der besten privaten Elite-Unis einen Platz einzunehmen?

Wäre man jetzt Professor, fiel die Entscheidung leicht: Professoren müssen an Elite-Universitäten deutlich weniger unterrichten, als an anderen staatlichen Universitäten. Zusätzlich profitieren sie natürlich von den Fördergeldern, die in ihre Forschung fließen.
Als Student ist die Frage „Elite-Uni ja oder nein“ nicht ganz so einfach zu beantworten. Auf die Qualität der Lehre hat die Auszeichnung keinen direkten Einfluss und an jeder Universität gibt es zudem Fakultäten und Institute mit gutem und schlechtem Ruf.

Hat man sich erst einmal für einen Studiengang entschieden, scheiden ohnehin schon mal einige Hochschulen aus. Exotische Studiengänge wie „Musikjournalismus“ oder „Wissenschaft vom christlichen Orient“ bieten nur wenige Unis an. Andere Studiengänge werden ausschließlich von Fachhochschulen angeboten. Hier braucht man sich die Frage, ob man an ein Elite-Uni geht, nicht wirklich stellen.

Eliteuniversitäten sind nicht für alle geeignet

Das Thema Eliteuniversitäten dürfte für Studenten populärer Studiengänge wie BWL oder Jura interessanter sein. In diesen Fächern spielt vor allem im Hinblick auf die spätere berufliche Karriere die Universität, an der man seinen Anschluss erworben hat, eine größere Rolle. Ob man nun an eine staatliche oder private Elite-Uni geht, hängt davon ab, ob man bereit ist, viel Geld in seine Ausbildung zu investieren und gegebenenfalls noch Jahre später einen notwendigen Kredit zurückzuzahlen.

Ob man später Karriere macht, entscheiden mitunter ganz andere Faktoren wie zum Beispiel Auslandserfahrung, Motivation und Engagement, das eigene Netzwerk und sicher auch ein wenig Glück.