Wissenschaftliche Hypothesen aufstellen


Wissenschaftliche Hypothesen aufstellen

Zunächst einmal muss der Studierende verstehen, was Hypothesen überhaupt sind. Sie sind im allgemeinen Sprachgebrauch per Definition unbewiesene Annahmen. Auch eine Unterstellung ist eine Hypothese. In der Wissenschaft wird die Definition der Hypothese enger gefasst. So handelt es sich um eine Aussage, die frei von Widersprüchen, aber noch unbewiesen ist. Sie begleiten die zu bearbeitende Forschungsfrage.

Beim wissenschaftlichen Arbeiten helfen sie, den roten Faden beizubehalten. Diese muss nicht zwingend Teil der wissenschaftlichen Arbeit sein. Sie hilft aber, den Zusammenhang zwischen zwei Sachverhalten oder dem einen und anderen Zustand herzustellen, der noch nicht bewiesen ist. Hypothesen sind auch nie Fragen, sondern immer Aussagen. Sie sollten so formuliert sein, dass sie auch widerlegbar sein können, wenn sich im Laufe der Recherche herausstellt, dass das die Schlussfolgerung ist.

Wo sind Hypothesen sinnvoll?

Bis zur Bachelorarbeit kommen Studierende für gewöhnlich ohne Hypothesen aus. In Masterarbeiten kann es hingegen sinnvoll sein, diese aufzustellen. Forschungsfragen hingegen müssen vorkommen. Sie sind dann besonders sinnvoll, wenn weitere Forschungsarbeiten geplant sind, die dann darauf aufbauen können. Sie sollten aber nur dann aufgestellt werden, wenn sie auch begründbar sind. Natürlich kann das Formulieren einer Hypothese auch eine Aufgabe in der Schule sein. In diesem Fall wird die Herangehensweise gründlich im Unterricht besprochen.

Wie Hypothesen in die Arbeit einfügen?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, eine oder mehrere Hypothesen in einer wissenschaftlichen Arbeit unterzubringen. Eine Variante ist, gleich in der Einleitung auf die Hypothese einzugehen. Sie kann aber auch später erwähnt werden, zum Beispiel bei den Literaturhinweisen. Es ist aber immer erforderlich, im Fazit noch einmal auf die Hypothesen einzugehen und dem Leser das Ergebnis mitzuteilen und die Erkenntnis zu begründen.

Hypothesen müssen viele Bedingungen erfüllen. Sie sollten:

  • Aussagekräftig
  • Prägnant
  • Knapp
  • Verständlich

sein. Für die Formulierung der Hypothese sollte sich der Studierende entsprechend Zeit nehmen und kritisch genug bleiben, um sich nicht an einer einmal formulierten Hypothese festzuhalten. Es ist außerdem hilfreich, diese zuerst zu testen, um damit den Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Das ist mit statistischer Überprüfung mittels Nullhypothese und Gegenhypothese möglich. Auch die für die Arbeit gesammelte Literatur hilft, diese zu überprüfen.

Typische Fehler beim Formulierungen

Eine der Hauptfehler ist, die Hypothese zu umständlich zu formulieren. Was im ersten Entwurf noch erlaubt ist, sollte spätestens beim Ausformulieren präziser formuliert werden. Auch Schachtelsätze sind nicht für Hypothesen geeignet. Natürlich kann das Ergebnis auch zu kurz ausfallen. Wer glaubt, er könne bei Stichpunkten bleiben, irrt und riskiert eine schlechte Benotung. Eine weitere Herausforderung ist der Ton. Eine Hypothese muss sachlich sein. Hier sind Studierende gefährdet, die fest vom Ergebnis überzeugt sind oder sich vom Thema provoziert fühlen. Jede übermäßige emotionale Beteiligung bei der Formulierung der Hypothese kann zu einem Hindernis werden. Und schließlich ist bei mehreren Hypothesen darauf zu achten, dass sie alle schlüssig sind und sich nicht möglicherweise widersprechen. Auch diese Fehler kommen häufig vor:

  • Fehlendes Recherchematerial
  • Schwächen bei der Reflexion
  • Nachlässiges Erarbeiten
  • Schwächen beim formalen Aufbau der Arbeit
  • Unwissenschaftliche Wortwahl

Die hohe Zahl der möglichen Fehler sollte Studierende aber nicht davon abhalten, eine oder mehrere Hypothesen aufzustellen. Vor allem engagierte Studentinnen und Studenten, die sich hohe berufliche Ziele gesteckt haben, sollten darauf nicht verzichten.

Die Hypothese in der qualitativen und quantitativen Forschung

Die qualitative Forschung befasst sich mit Einzelfällen. Werden Hypothesen aufgestellt, sollen sie den Schluss aus den Einzelfällen auf die Gesamtheit zulassen. Die Rede ist dann von der Induktion. Dem entgegen steht die Deduktion, die den Schluss aus einer Gesamtheit auf Einzelfälle zulässt. Deshalb kommt die Herangehensweise vor allem bei der quantitativen Forschungsarbeit zur Anwendung.

Forschungsfrage wird vor der Hypothese formuliert

Forschungsfragen und Hypothesen sind zwei verschiedene Dinge. Die Hypothese lässt sich nur aufstellen, wenn die Forschungsfragen schon ausformuliert sind. Das bedeutet, dass der Studierende zuerst die Forschungsfrage entwickeln muss. Mit der Forschungsfrage wird die Frage formuliert, mit der sich die Arbeit befasst. Für gewöhnlich ist es nicht allzu schwer, die Forschungsfrage zu formulieren. Schließlich hat der Studierende schon die Unterlagen gesichtet und kennt die verschiedenen Problemstellungen, die zum gewählten Thema passen. Es ist auch nicht notwendig, die Frage so zu stellen, dass schon zu Beginn feststeht, dass sie am Ende der Arbeit in jedem Fall zu beantworten ist.

Es kann ebenso passieren, dass der Studierende sie in seinem Fazit nicht beantworten kann. In diesem Fall muss aber für den Leser deutlich werden, warum die Frage nicht zu beantworten ist. Probleme mit der Bewertung könnte es geben, wenn der Studierende die Forschungsfrage so gestellt hat, dass von vornherein klar war, dass eine Beantwortung nahezu unmöglich wird. Im Umkehrschluss darf die Frage aber auch nicht so einfach sein, dass sie schon sehr früh und ohne größeren Aufwand zu beantworten ist. Um die Arbeit sauber beenden zu können, helfen aber auch die weiteren Hauptfragen, die sich beantworten lassen sollten. Die Hypothese wird aus der Forschungsfrage abgeleitet.

Abschluss und Begründung

Am Ende der Arbeit kommt der Verfasser zu dem Schluss, dass die Hypothese zutrifft oder nicht zutrifft. Trifft sie zu, ist sie mit der Begründung verifiziert. Das wird aus der Schlussfolgerung deutlich. Ist das nicht der Fall, wird sie falsifiziert. In der Schlussfolgerung muss der Verfasser auch auf die Forschungsfrage eingehen und sie beantworten.