Ist die Promotion heute noch ein Muss?

Der Doktortitel folgt in so gut wie allen Fällen auf einen bereits abgeschlossenen Masterstudiengang an einer Hochschule und erfordert in der Regel sehr viel Zeit und Aufwand. So wird für die Promotion gemeinsam mit einem Doktorvater, der die Doktorarbeit an der Universität betreut ein Thema gewählt bzw. ein thematischer Rahmen gesetzt. Der Doktorand forscht in der entsprechenden Fakultät und gewinnt über eine längere Zeit neue Erkenntnisse zu zahlreichen Fragestellungen, die die Doktorarbeit beleuchten und im besten Fall aufklären soll. Diese Phase kann in vielen Fällen eine lange Zeit in Anspruch nehmen.

Forschungsergebnisse und anschließende Promotion

Hat der Doktorand ausreichende Forschungsergebnisse zu dem gewählten Themenkomplex gesammelt und diese mit dem Doktorvater abgestimmt geht es ans Schreiben der Arbeit. Dies geschieht an der Hochschule unter der Aufsicht des betreuenden Professors und der Fakultät und kann ebenfalls eine längere Zeit dauern. Ist die Doktorarbeit fertig, wird nach Prüfung und anschließender Verteidigung der Arbeit der Doktortitel verliehen. Insgesamt kann der gesamte Prozess der Promotion mehrere Jahre dauern und dabei den Arbeitsaufwand einer Vollzeitbeschäftigung bedeuten.

Der Doktortitel und dessen Erlangung in verschiedenen Fachrichtungen

Wie bei vielen anderen Dingen, unterscheiden sich Doktorarbeiten und vor allem die Zeit und der Aufwand, die diese benötigen je nach Fachrichtung extrem. Während im Medizinstudium ein Doktortitel mehr oder weniger zum Studium dazu gehört und von einer großen Anzahl an Studierenden angestrebt wird, ist dies in anderen Fachrichtungen eklatant anders. Während ein medizinischer Doktortitel in oftmals weniger als sechs Monaten abgeschlossen sein kann und durch systematische Beschleunigung der Prozesse auch wesentlich weniger Arbeit erfordert, dauert dies in anderen Bereichen sehr viel länger. Ein Doktortitel in den klassischen Natur- und Geisteswissenschaften ist wesentlich weniger verbreitet und bedarf daher einer sehr viel stärkeren akademischen Leistung. Diese nimmt mehr Zeit in Anspruch.

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Doktortitel und PH.D

Immer häufiger hört man in letzter Zeit vom Titel des Ph.D. (Philisophical Doctorate), welcher ursprünglich aus den USA kommend als international am meisten verbreiteter Doktortitel gilt. Obwohl der Name es suggeriert, hat der moderne Ph.D. nicht notwendigerweise etwas mit der Philosophie zu tun. Lediglich, weil die Wissenschaft deine Basis in der Philosophie der alten Griechen sieht, hat sich der Name Ph.D. etabliert. Somit kann ein Ph.D. in vielen Fächern erworben werden, welches einfach hinter den Titel Ph.D. ergänzt wird (bspw. Ph.D. in Political Science).

Was ist der Unterschied zwischen Ph.D. und Doktortitel?

Da der Ph.D. ein internationaler Doktortitel ist und seine Basis in den USA hat, ist er keineswegs mit dem Doktortitel deutscher Universitäten gleichzusetzen. Denn neben dem Abschluss unterscheiden sich die Studiengänge, die zum jeweiligen Doktortitel führen. So ist der Weg zum Ph.D. in der Regel verschulter als Promotionsstudiengänge, die an einer deutschen Universität zu einem Doktortitel führen. Außerdem ist das Promovieren zum Ph.D. mit einem sehr viel kürzeren Studiengange verbunden, als bei einem deutschen Doktortitel. Dies gilt jedenfalls für geisteswissenschaftliche Fachrichtungen, in denen der herkömmliche Doktortitel bis zu sechs Jahre in Anspruch nehmen kann.

Welches ist der bessere Doktortitel?

Da in der heutigen Zeit immer mehr Hochschulen Promotionsstudiengänge mit dem Abschluss Ph.D. anbieten, ist diese Frage durchaus berechtigt. Da der Ph.D. sehr viel verschulter ist und ein großes Augenmerk auf die Forschung legt, sind Sie mit diesem sehr gut aufgehoben, wenn Sie später eine Karriere in der Forschung anstreben. Weiterhin ist der Ph.D. im allgemeinen international sehr viel anerkannter und verbreiteter als der deutsche Doktortitel. Obwohl auch der deutsche Doktortitel international einen sehr guten Ruf genießt, ist der Ph.D. im akademischen Ausland eher der Standard.

Der Doktortitel im Berufsleben

Der akademische Abschluss spielt generell für die Berufsqualifizierung eine sehr große Rolle. Beispielsweise kann ein Masterabschluss dich wesentlich besser in Bewerbungsverfahren positionieren, als es ein Bachelorabschluss tut. Der Doktortitel als höchster Abschluss sollte hier sicher eine Rolle spielen, doch für das Berufsleben ist dieser weit weniger relevant.

Der Fachbereich ist entscheidend

Wie auch in Bezug auf den zeitlichen Aufwand unterscheidet sich die Bedeutung des Doktortitels für das Berufsleben auch sehr stark nach Fachbereich. Während du als Arzt mit abgeschlossenem Medizinstudium, aber ohne Doktortitel eine Menge überraschter Blicke ernten wirst, ist dies in anderen Bereichen anders. Dabei ist der Doktortitel im medizinischen Bereich entgegen der allgemeinen Meinung keinesfalls notwendig. Auch ohne Doktortitel ist es möglich, als Arzt zugelassen zu werden und in allen ärztlichen Bereichen zu arbeiten.

In den wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen sieht die Sache anders aus

In den wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen, wie BWL, VWL oder jeglichen Abwandlungen dieser, spielt der Doktortitel in der Regel eine wesentliche kleinere Rolle, als im medizinischen Bereich. Selbstverständlich sind Absolventen mit Doktortitel was gewisse Dinge angeht sehr viel qualifizierter, als Absolventen mit Masterabschluss. Allerdings zählt in der freien Wirtschaft vor allem praktische Erfahrung und weniger das akademische Wissen. Somit ist es in vielen Fällen wenig förderlich einen Doktortitel zu erlangen, jedenfalls wenn der gewünschte Karriereweg eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft einschließt. Es gibt hierfür zwar Ausnahmen, wie beispielsweise die Datenanalyse oder Strategieentwicklung in bestimmten Bereichen, wie der Unternehmensberatung. Die Fertigkeiten, die für diese Tätigkeiten benötigt werden, werden vor allem im Rahmen einer Promotion erlangt, weshalb der Doktortitel hier relevanter ist.

Ingenieure profitieren oft von einem Doktortitel

Im Vergleich zu wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen können Ingenieure auch in der beruflichen Praxis durchaus von einem Doktortitel profitieren. Denn in diesem Bereich sind Arbeiten an einer Doktorarbeit sehr viel praxisnäher und die Forschung findet meistens im Rahmen eines Praxisprojektes statt. Außerdem kann die Promotion direkt in Kooperation mit einem Unternehmen geschrieben werden. Ein gutes Beispiel sind hier sicher Autohersteller, die oftmals in Kooperation mit Doktoranden technische Studien unternehmen, die daraufhin auch meist in einem für das Unternehmen produktiv einsetzbaren Ergebnis enden. Somit lernt der Doktorand sehr viel über die Praxis und ist somit noch um einiges attraktiver für den Arbeitgeber, als etwa ein Masterabsolvent.

Worauf kommt es dann bei der Entscheidung um einen Doktortitel an?

Wie bei vielen anderen Sachverhalten auch, hängt die Entscheidung für oder gegen einen Doktortitel extrem von den eigenen Zielen und der Berufsplanung ab. Für den akademischen Weg ist ein Doktortitel mit Sicherheit nicht nur förderlich, sondern ab einer gewissen Stufe in der Regel auch absolut notwendig. Wenn beispielsweise eine Karriere in Richtung Habilitation und Lehrtätigkeit an einer Universität angestrebt wird, ist der Doktortitel mehr als anzuraten. In der wirtschaftlichen Praxis spielt dieser eine weitaus geringere Rolle. Du solltest dich Gedanken machen, in welche Richtung sich deine Karriere entwickeln soll und inwiefern ein Doktortitel für den gewünschten Weg sinnvoll ist.

Die Frage nach einem Doktortitel ist wie so viele nicht pauschal zu beantworten. Wenn du deine Karriere in der Forschung siehst oder in der Wissenschaft arbeiten möchtest ist ein Doktortitel sehr von Vorteil. Für den Weg zur klassischen Professorentätigkeit ist dieser sogar mehr oder weniger notwendig. In der freien Wirtschaft ist dieser jedoch, bis auf Ausnahmen wie die Ingenieurwissenschaften eher weniger relevant.