Die vier Lerntypen und ihre Besonderheiten


Die vier Lerntypen und ihre Besonderheiten

Vermutlich jeder hat sich schon einmal gefragt, welche Strategien er am besten nutzt , um möglichst effektiv lernen zu können. Hierauf gibt es keine pauschale Antwort. Man kann sich das Lernen aber durchaus vereinfachen. Und zwar u.a., indem man seine Stärken und Schwächen kennt. Ein Aspekt, der diesbezüglich eine Rolle spielt, ist die Frage, welcher Lerntyp man ist. Je nach “bevorzugter“ Art des Lernens nutzt man verstärkt einen seiner Sinne, um Inhalte zu erfassen, zu verstehen und zu merken. Dieser Artikel stellt die vier unterschiedlichen Lerntypen samt ihren Besonderheiten vor. Indem man herausfindet, welcher dieser Gruppen man angehört, kann man geeignete Lerntechniken entwickeln und anwenden, um den Lernprozess möglichst effektiv zu gestalten.

Ganzheitliches Lernen ist Trumpf

Der Mensch verfügt über sechs Sinne : Sehen, Riechen, Schmecken, Hören, Fühlen, Gleichgewichtssinn. Dabei wird Letzterer häufig vergessen, wenn es darum geht, die Sinne zu nennen. Beim Lernen kommen vor allem unser Sehorgan, unser Hörorgan sowie unser Artikulationsorgan und motorische Fertigkeiten zum Einsatz. Je nachdem, welcher Sinn von einem Lerner verstärkt genutzt wird, bezeichnet man diesen als auditiven, visuellen, kommunikativen oder motorischen Lerner. Trotz dieser Unterscheidung muss man beachten, dass an der Aneignung von Lernstoff stets alle Sinne beteiligt sind, nur eben in zum Teil deutlich unterschiedlichen Maßen.

  • Praxistipp : Wir lernen am effektivsten, wenn alle Sinne möglichst umfangreich genutzt werden. Je mehr Wahrnehmungsfelder bzw. Sinneskanäle am Aneignen von Wissen beteiligt sind, desto mehr Verknüpfungen bilden wir nämlich in unserem Gehirn und umso leichter kann das Lernmaterial zu einem späteren Zeitpunkt abgerufen werden.

Lernen durch Hören – der auditive Lerntyp

Der auditive Lerntyp nimmt Informationen am besten durch das Hören auf. Hierdurch fällt es ihm leichter, die Inhalte zu behalten und wiederzugeben. Für diesen Lerner hören sich akustische Erklärungen schlichtweg stimmig an. Somit kann er mündlichen Informationen in einer Vorlesung o.Ä. am besten folgen und diese verarbeiten. Das gilt auch für das Lernen am eigenen Schreibtisch: Als auditiver Lerntyp sollte man sich Texte laut vorlesen oder vorlesen lassen (beispielsweise in Form einer Audio-CD), um die Inhalte auswendig zu lernen. Entsprechend liegen diesem Lerntyp auch mündliche Prüfungen u.Ä. besonders gut. Gestört fühlen sich diese Lerner wiederum durch Umgebungsgeräusche (z.B. Musik im Hintergrund), da diese die Konzentration schnell beeinträchtigen.

  • Merke : Der auditive Lerntyp sagt sich Vokabeln und andere Lerninhalte laut vor; er erzählt anderen von den Materialien und führt Dialoge sowie Diskussionen mit Gleichgesinnten, um das Wissen besser im Gedächtnis zu verankern. Weitere “Hilfsmittel“ sind u.a. Hörbücher, Vorträge und eine ruhige Umgebung.

Lernen durch Sehen – der visuelle Lerntyp

Der visuelle Lerntyp lernt am effektivsten, indem er Handlungsabläufe beobachtet; Grafiken und Bilder sowie andere Visualisierungen (auf Arbeitsblättern) helfen ihm dabei, sich Wissen anzueignen. Wird der Lernstoff nicht verstanden, muss sich dieser Lerntyp die Materialien im wahrsten Sinne des Wortes noch einmal ansehen.

Dieser Lerntyp liest gerne, um Sachverhalte zu verstehen; schriftliche Unterlagen sind für ihn von größter Bedeutung, um Inhalte im Gehirn abspeichern zu können. Dementsprechend schreibt er das gesamte Semester über mit und fertigt Notizen sowie Mindmaps, Diagramme etc. an. Der visuelle Lerner arbeitet mit unterschiedlichen Farben und anderen Arten der Visualisierung; er entwickelt Bilder vor dem geistigen Auge, wenn er Informationen hört. Auch Videos und ähnliche Techniken spielen für ihn eine große Rolle. Abgelenkt wird er vor allem durch visuelle Unordnung.

  • Lernhilfen für den visuellen Lerntyp : Bücher, Bilder, Tabellen, Skizzen, Lernposter u.v.m.

Lernen durch Kommunikation

Der kommunikative Lerntyp führt Gespräche und Diskussionen, um sich Wissen anzueignen und zwar noch mehr als der auditive Lerntyp. Die sprachliche Auseinandersetzung mit dem Lernstoff in Form von Dialogen sowie Sprache im Allgemeinen haben für ihn oberste Priorität, um den Stoff verstehen zu können. Hierzu nimmt er in Gesprächen sowohl die Rolle des Fragenden als auch die des Erklärenden ein. Diese “Rollenspiele“ helfen ihm dabei, komplexe Sachverhalte genauestens zu verstehen.

  • Merke : Die Basis, damit sich der kommunikative Lerntyp Wissen aneignen kann sind Diskussionen in Lerngruppen, Dialoge und Quizze sowie weitere Formen der Kommunikation.

Der Praktiker unter den Lerntypen

Der motorische Lerntyp eignet sich Wissen am besten an, indem er Handlungsabläufe bzw. Bewegungen selber durchführt. Auf diese Weise fällt es ihm besonders leicht, Dinge nachzuvollziehen. Das Motto dieses Lerners lautet also “learning by doing“ – Informationen werden konkret erarbeitet und Themen erkundet; um Rechenaufgaben zu lösen, werden beispielsweise Entfernungen abgelaufen und Distanzen gemessen.

Alles in allem lernt dieser Typ von Lerner also vor allem durch Bewegung, Handeln und Fühlen. Somit gehört u.a. der Sport zu den Stärken dieses Lerntyps.

  • Lerntipp : Als motorischer Lerntyp sollte man bei der Vorbereitung auf einen Test im Zimmer auf- und ablaufen, während man die Begriffe und anderen Lernstoff wiederholt und durch Gesten und Mimik ergänzt. Weitere sinnvolle Aktivitäten beim Lernen sind die eigene Forschung in Form von Experimenten und die Suche nach passenden Gegenständen zum Lernstoff. Letztere können angefasst werden, um festere Verknüpfungen im Gedächtnis zu bilden.

Die vier Lerntypen und ihre Besonderheiten – abschließende Bemerkungen

Es sei noch einmal darauf hingewiesen, dass niemand ausschließlich mit einem Sinn lernt. Stattdessen erfassen wir Menschen unserer Welt stets über alle Sinne . Dementsprechend empfehlen Studien, Schüler und Kinder im jungen Alter nicht nach ihren Lerntypen zu trennen. Im Verlauf des Lebens können wir unsere “Schwächen“ nämlich verbessern und mit in den Lernprozess einbeziehen, um diesen effektiver zu gestalten. Je “umfangreicher“ wir uns einen Lernstoff aneignen, desto vielfältiger sind nämlich die Möglichkeiten des Behaltens und Wiedergebens. Anders ausgedrückt, steigt die Erinnerungsquote an angeeignete Informationen umso stärker an, je mehr Sinne beim Lernen zum Einsatz kamen:

  • Wenn wir Informationen nur hören, beträgt die Erinnerungsquote 20 Prozent.
  • Beim ausschließlichen Betrachten liegt die Quote bei 30 Prozent.
  • Sind sowohl die Augen als auch die Ohren am Lernprozess beteiligt, steigt diese Kennzahl auf 50 Prozent.
  • Sehen, hören und diskutieren wir Lerninhalte, liegt die Erinnerungsquote schon bei 70 Prozent.
  • Die größte Wirksamkeit wird erreicht, indem wir “die Theorie“ sehen, hören, kommunikativ verarbeiten und selber anwenden. Hier liegt die Erinnerungsquote bei 90 Prozent!