Gendergerechte Sprache für Anfänger – so klappt´s!


ein Mann spricht

Mann und Frau sind gleichberechtigt, niemand darf aufgrund seines Geschlechts diskriminiert werden. Doch was per Gesetz logisch geregelt ist, findet in der gesellschaftlichen Realität oft keine Anwendung. Insbesondere im Sprachgebrauch werden die Unterschiede schnell sichtbar.

Auch im deutschen Sprachraum etablieren sich gendergerechte Schreibweisen zunehmend, immer mehr Menschen entscheiden sich beim Verfassen von Texten eine gendergerechte Sprache zu verwenden. Doch was genau ist darunter zu verstehen und welche Möglichkeiten gibt es gendergerecht zu formulieren?


Was bedeutet gendergerechte Sprache?

Geschlechtergerechte Sprache bezeichnet einen Sprachgebrauch, der die Gleichbehandlung von Männern und Frauen in Bezug auf Personenbezeichnungen anstrebt. So soll die Gleichstellung der Geschlechter sowohl in gesprochener, als auch in geschriebener Form zum Ausdruck gebracht werden.  Als Personenbezeichnungen gelten dabei alle sprachlichen Mittel, die sich auf einzelne, mehrere oder alle Personen beziehen.

Um nicht nur biologische Geschlechter, sondern auch soziale Geschlechter (Gender) im Sprachgebrauch zu berücksichtigen, setzt sich vermehrt auch die Bezeichnung gendergerechte Sprache durch. Angewandte gendergerechte Sprache bezeichnet man allgemein als Gendern. Dabei werden verschiedene Bezeichnungen und Formulierungen genutzt.
 

Warum ist gendergerechte Sprache überhaupt wichtig?

Die verallgemeinernde Verwendung maskuliner Personenbezeichnungen wird von vielen Personenkreisen kritisiert. Durch diese Verallgemeinerung können sich sowohl Frauen, als auch Personen, die sich einem anderen Geschlecht zugehörig fühlen, diskriminiert oder benachteiligt fühlen. Gendergerechte Sprache wird daher eingesetzt, um dieser Asymmetrie entgegenzuwirken. Gendergerechte Sprache ist wichtig, um die Gleichstellung der Geschlechter auch auf sprachlicher Ebene deutlich zu machen.
 

Geschlechtsneutrale Ausdrücke und Abstraktionen

Am einfachsten wäre es vermeintlich, alle Personengruppen in Formulierungen zu benennen. Dies ist aber in vielen Fällen umständlich und kann holprig wirken. Um kurz und knapp gendergerecht zu formulieren, bietet es sich oft an, einfach den Plural zu verwenden. Viele Pluralformen bezeichnen sowohl Männer als auch Frauen und machen umständliche Formulierungen unnötig:

Für den Studenten oder die Studentin stehen Projekträume zur Verfügung, die er oder sie nachmittags nutzen können.

Für die Studierenden stehen Projekträume zur Verfügung, die sie nachmittags nutzen können.

 

Andere Formulierungsmöglichkeiten zur Beschreibung geschlechtsspezifischer Personen

Wenn es keine geschlechtsneutralen Ausdrücke gibt oder sie sich im Text nicht anbieten, stehen weitere Möglichkeiten zur Verfügung eine gendergerechte Sprache zu gewährleisten. Je nach Kontext bieten sich unterschiedliche Methoden an:
 

Binnen-I

Das Binnen-I kommt innerhalb eines Wortes als Großbuschstab zwischen Kleinbuchstaben zur Anwendung. Personenbezeichnungen, bei welchen die weibliche Form einen Umlaut enthält, etwa Ärztin, lassen sich nicht grammatikalisch korrekt abkürzen und sollten daher immer in vollständiger Paarform erscheinen.

EinE StudentIn

Die DozentInnen

 

Gender-Sternchen

Das Gender-Sternchen verfolgt dasselbe Prinzip wie das Binnen-I. Es wird ebenfalls zwischen zwei Kleinbuchstaben eingefügt.

Ein*e Student*in

Die Dozent*innen

 

Unpersönliche Pronomen

Anstelle der einzelnen Personenbezeichnungen können auch unpersönliche Pronomen verwendet werden um, gendergerecht zu formulieren.

Studenten und Studentinnen, welche am Kurs Gendergerechte Sprache teilnehmen wollen, müssen sich bis zum 23.01.2021 anmelden.

Alle, die am Kurs Gendergerechte Sprache teilnehmen wollen, müssen sich bis zum 23.01.2021 anmelden.


Anstelle von alle lassen sich auch unpersönliche Pronomen wie diejenigen oder jene verwenden. 
 

Direkte Anrede

Oftmals ist auch eine direkte Anrede die beste Möglichkeit sprachliche Stolpersteine zu vermeiden.

Die Prüfungen können von den Studenten bis zum 10. Mai eingesehen werden.

Sie können die Prüfungen bis zum 10. Mai einsehen.

 

Verben

In einigen Fällen bietet es sich an, gendergerechte Formulierungen durch das umformulieren von Personenbezeichnungen Verben zu erreichen.

Es gab insgesamt 30 Teilnehmer.

Teilgenommen haben insgesamt 30 Personen.

 

Adjektive

Männliche Substantive lassen sich auch durch die Verwendung von Adjektiven vermeiden.

Das Projekt erfolgte nach einer Beratung von Experten.

Das Projekt erfolgte nach einer fachlichen Beratung.

 

Infinitiv oder Passiv als Umschreibungen

Umschreibungen stellen eine weitere Möglichkeit dar, männliche Personenbezeichnungen zu umgehen.

Jeder Student soll die Fachliteratur unverzüglich abholen.

Bitte die bestellte Fachliteratur unverzüglich abholen.

 

Vorteile und Nachteile

Alle Formen der gendergerechten Sprache haben ihre eigenen Vor- und Nachteile. Da Sprache unsere Wahrnehmung und somit auch unser Bewusstsein beeinflusst, kann gendergerechte Sprache durchaus einen Teil dazu beitragen, die Gleichberechtigung der Geschlechter aktiv zu fördern. Auch kann gendergerechte Sprache in vielen Fällen verhindern, dass Personen oder Personengruppen sich nicht angesprochen, ausgeschlossen oder gar diskriminiert fühlen. Kritiker der gendergerechten Sprache hingegen sind der Auffassung, dass diese zu unnötigen Verkomplizierungen führe und den Lesefluss hindert. 


Gendergerechte Sprache im Studium

Gendergerechte Sprache ist an deutschen Hochschulen zwar nicht verpflichtend, Studierende sollten sich aber durchaus mit der Materie auseinandersetzen. An manchen Unis wird es mittlerweile ungern gesehen, wenn einer wissenschaftlichen Arbeit der Hinweis voransteht, dass aufgrund einer besseren Lesbarkeit ausschließlich das generische Maskulinum verwendet wird und Frauen dabei immer eingeschlossen sind. Es ist ratsam, sich über die Bestimmungen an der jeweiligen Universität zu informieren, um Punktabzüge bei der Bewertung der Arbeit zu vermeiden.